Business Motivation Model - gleiches Begriffsverständnis im Strategie- und Innovationsteam

Worin liegt der Unterschied zwischen einer Unternehmensvision und einer Unternehmensmission? Sind Leitsätze Bestandteil einer Geschäftsstrategie? Wie grenzen sich Einflussfaktoren von Business Regeln gegeneinander ab?

Falls Sie und Ihre Strategie- & Innovationskollegen ähnliche Fragen stellen, raten wir zu einen Blick auf das Business Motivation Model der Object Management Group. Das Papier definiert einen klaren Rahmen von Geschäftskonzepten, den Eigenschaften und Zusammenhängen. Im mosaiic Impuls stellen wir Ihnen das nützliche Modell vor und zeigen anhand eines Beispiels, wie Sie Ordnung in das Chaos der Business Begriffe bringen.

Konfusion in der Business Begriffswelt

In Kundenprojekten erleben wir regelmäßig, dass gerade zu Beginn einer Business Model Innovation Initiative Unklarheit bzgl. der eingesetzten Begriffe besteht. Ähnlich klingende, dennoch inhaltlich verschiedene Konzepte verwenden die Kundenmitarbeiter synonym. Andersherum unterscheiden dieselben Personen bei zwei identischen – jedoch vom Namen her unterschiedlichen – Sachverhalten. Es herrscht ein regelrechtes Begriffswirrwarr, welches das mit Energie gestartete Projekt ausbremst und die Teilnehmer demotiviert.

In einer solchen begrifflich verzwickten Situation gibt das Business Motivation Model (kurz BMM) der Object Management Group (kurz OMG) Orientierung. Ursprünglich durch die Business Rules Group im Jahr 2000 für das Erstellen von Business Plänen entwickelt, unterstützt Sie das Business Motivation Model beim Konzipieren und Kommunizieren von Geschäftsmodelle und Unternehmensstrategien.

Seit 2015 liegt das Modell in seiner aktuellen Fassung 1.3 vor. Es konzentriert sich dabei darauf…

  • eine gemeinsame Business Sprache und Begriffswelt zu motivieren,
  • Geschäftselemente und deren Eigenschaften zu definieren sowie
  • Beziehungen zwischen Geschäftselementen klarzustellen.

Das Modell nimmt dabei einen fachliche Perspektive ein. Schwerpunkt ist das strategische Business, nicht die technische Realisierung oder der operative Betrieb.

Das Business Motivation Model, seine Elemente und deren Bedeutung sind rasch erlernbar. Auf Basis des Modells entwickeln Sie und Ihre Strategie- & Innovationskollegen innerhalb weniger Stunden ein einheitliches und geteiltes Verständnis. Fassen wir nun die wichtigsten Bestandteile und Eigenschaften des Modells zusammen.

Das Business Motivation Model – eine einheitliche Begriffswelt in Strategie- und Innovationsprojekten

Nachfolgende Abbildung zeigt die Struktur des Business Motivation Model. Beachten Sie, dass das Konzept aktuell nur in englischer Sprache vorhanden ist. Für deutschsprachige Kunden nutzen wir eine freie Übersetzung der Begriffe und eine leicht eingekürzte Version des Modells. Dieses hat sich im Dialog mit dem Kunden bewährt.

Business Motivation Model – Bereiche, Elemente und Beziehungen

Das Business Motivation Model unterscheidet zwischen vier inneren Bereichen mit jeweils einzelnen Elementen.

1. Zweck (engl. End)

Generell beschreibt der Zweck, was das Unternehmen sein möchte ohne zu präzisieren wie es dahin kommt. Die Object Management Group unterteilt den Zweck weiter in drei Elemente:

  • die Unternehmensvision (engl. Vision) als das Zielbild eines Unternehmens
  • das Unternehmensziel (engl. Goal) als längerfristige, häufig qualitative Zielsetzung
  • das Planziel (engl. Objective) als mittel- bis kurzfristige, terminierte, häufig quantitative und damit messbare Zielsetzung

Planziele sind verfeinerte Unternehmensziele. Beide Zieltypen definieren das “Was” eines Unternehmens und ebnen den Weg zur Unternehmensvision, wiederum dem “Warum” einer Unternehmung.

2. Mittel (engl. Means)

Mittel geben den Weg an, den das Unternehmen eingeschlagen hat um seinen Zweck zu erfüllen. Sie definieren das “Wie”. Daher: Wie können Ziele und Vision erfüllt werden. Erneut die Definitionen vom Groben ins Feine.

  • die Unternehmensmission (engl. Mission) als prinzipieller Weg, wie die Unternehmensvision erreicht wird
  • die Strategie (engl. Strategy) als längerfristiges, breit gefächertes Vorgehen zum Erreichen der Unternehmensziele
  • die Taktik (engl. Tactics) als kurzfristiges, fokussiertes Vorgehen zum Erreichen der Planziele
  • die Geschäftsvorgabe (engl. Business Policy) als grober Rahmen in denen Strategien und Taktiken umgesetzt und kontrolliert werden
  • die Geschäftsregel (engl. Business Rule) als direkt anwendbarer Rahmen in denen Strategien und Taktiken umgesetzt und kontrolliert werden

Das Business Motivation Model fasst sowohl die Strategie als auch die Taktik im sogenannten Vorgehen (engl. Course of Action) zusammen. Wiederum werden die Geschäftsvorgaben sowie die Geschäftsregeln als Direktive (engl. Directive) subsummiert.

3. Beeinflusser (engl. Influencer)

Beeinflusser können den Zweck und die Mittel eines Unternehmens ändern. Aber Achtung! Sie können diese ändern, müssen es aber nicht. Das Business Motivation Model unterscheidet zwischen zwei Beeinflussertypen.

  • die internen Beeinflusser (engl. Internal Influencer) liegen innerhalb der Mauern des Unternehmens
  • die externen Beeinflusser (engl. External Influencer) liegen außerhalb der Mauern des Unternehmens

Das Business Motivation Model liefert einen beispielhaften Satz von Kategorien für die Beeinflusser. Tatsächlich sollten Sie für Ihr Unternehmen selbst passende Kategorien herausarbeiten.

4. Einschätzung (engl. Assessment)

Ein Beeinflusser ist zunächst immer neutral. Mittels einer Einschätzung bewertet ein Unternehmen, ob und welche Auswirkungen ein spezifischer Beeinflusser auf den Zweck und die Mittel der Organisation hat.

Nicht selten kommen unterschiedliche Personen im Unternehmen für einen spezifischen Beeinflusser zu einem anderen Ergebnis. Das Business Motivation Model schlägt hier die verbreitete SWOT (Strength, Weakness, Opportunity, Threat) Methode zur Bewertung vor.

Das Modell der OMG geht noch mehrere Schritte weiter. Es definiert, wie Geschäftseinheiten (engl. Organizational Unit) und Geschäftsprozesse (engl. Business Process) mit den Bereichen und Elementen zusammenhängen. Zudem schlüsselt es für jedes Element die Eigenschaften und Beziehungen zu Nachbarelementen auf und liefert mehrere Beispiele.

Praxisbeispiel: Anwendung des Business Motivation Model auf eine Pizzeria

Werden wir nach der vielen Theorie konkret und wenden das Business Motivation Model in der Praxis an.

Haben Sie eine Lieblingspizzeria? Stellen Sie sich vor der Besitzer Ihres favorisierten Pizza-Restaurants würde die Ausrichtung seines Unternehmens ändern wollen. Statt wie bisher vor Ort, sollte sich das Unternehmen zukünftig auf die Auslieferung von Pizzen konzentrieren. Um in der gleichen Begriffswelt zu starten, würde der Besitzer in seinem internen Strategietreffen das Business Motivation Model zu Rate ziehen.

Die Vision des Restaurants könnte es sein “Die Pizzeria mit den schmackhaftesten Pizzen der Stadt für zu Hause” zu werden. Als allgemeines Unternehmensziel würde das Unternehmen “Pizza-Auslieferung in angemessener Zeit” ausrufen und dieses durch das Planziel “95 Prozent aller Pizzalieferungen innerhalb 30 Minuten ab 01.01.2018” untermauern.

Die Mission könnte “Wir liefern stadtweit schmackhafte Pizzen an hungrige Kunden aus” lauten. Die abgeleitete Strategie wäre damit die “Pizza an die von Kunden gewünschte Stelle in der Stadt liefern”. Eine resultierende Taktik könnte “Fahrer mit eigenen Auto einstellen, welche die Pizza liefern.” sein. Als Geschäftsvorgabe ist “Sicherheit in der Küche und in den Straßen immer zuerst.” möglich. Konkret in einer Geschäftsregel transferiert könnte die Pizzeria die Geschäftsregel “Falls ein Pizza-Auslieferer im Dienst Regeln der Straßenverkehrsordnung verletzt, wird dieser von seinem Manager konsultiert.” aufstellen.

Zudem ist das Restaurant verschiedenen externen Beeinflussern wie beispielsweise Wettbewerb, Kundenbedarfe, Zulieferer, rechtliche Vorgaben und Technologie ausgesetzt. Auch interne Beeinflusser wie Arbeitnehmervertreter, Betriebsräte, Gewohnheiten, Kultur, Infrastruktur, etc. können Auswirkungen auf den Zweck und die Mittel haben. Der Eigentümer der Pizzeria sollte auf Basis einer strukturierten Einschätzung entscheiden, inwieweit die Beeinflusser Auswirkungen auf sein Unternehmen haben.

Fazit

Das Business Motivation Model stattet Sie mit einem Glossar der wichtigsten Fachbegriffe rund um die Themenfelder Geschäftsmodelle, Business Pläne und Unternehmensstrategien aus. Statt aneinander vorbei zu reden, nutzen Sie und ihre Kollegen im Strategie- und Innovationsteam ein identisches Vokabular. Die aktuelle Fassung des Modells können Sie kostenfrei unter diesem Link als rund 100-seitiges PDF-Dokument herunterladen.

Download: Business Motivation Model