Beitragsbild Geschäftsmodelltypen

Lean Innovation, Scrum, Minimum Viable Product, Kontinuierliche Verbesserung, … – Unternehmer, Produktmanager und Digitalisierungsverantwortlicher haben es heutzutage nicht leicht, aus dem riesigen Methodenkoffer zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells die richtige Technik zu wählen. Die Anzahl und Verschiedenartigkeit der verfügbaren Konzepte, Vorgehensmodelle und (Best) Practices ist einfach zu groß. Abhilfe schafft da eine Klassifizierung in Geschäftsmodelltypen. Im mosaiic Impuls erklären wir Ihnen das praktische Konzept der modernen Strategiearbeit.

Bekannt & bewährt bis innovativ & fremd – die drei Geschäftsmodelltypen

Im Beitrag Auf den Punkt – das kleine 1×1 der Geschäftsmodell-Definitionen haben wir Ihnen die Business Model Archetypes vorgestellt. Bei den Archetypes handelt es sich um einen von Professor Peter Weill entwickelten Ordnungsrahmen, der Geschäftsmodelle anhand des Wertangebots sowie die Art der Leistungserbringung clustert. Weills Modell ist einfach, verständlich und meist auch sehr nützlich. Jedoch geht das Konzept weder auf das Umfeld noch die Eigenschaften eines Geschäftsmodells ein. Schade. Aber in sich immer schneller drehenden Märkten mit wachsender Ungewissheit und zunehmender Unsicherheit genügt das Modell der amerikanischen Forscher aus 2005 nicht mehr.

Der Business Model Management Approach

Abhilfe dafür schafft der Business Model Management Approach. Dieser beschreibt die Einbettung eines Geschäftsmodells in seine Umgebung. Das von uns eingesetzte Modell basiert auf den Arbeiten von Professor Dr. Florian Matthes  der TU München zum Thema Systemkomplexität und Enterprise Architecture Management.

Untere Abbildung illustriert das Konzept. Wie Sie direkt erkennen können, wird bei einem Business Model zwischen der Komplexität und Dynamik der Umgebung unterschieden. Daraus folgt, dass sich alle Geschäftsmodelle einem der drei folgenden Typen zuordnen lassen:

Geschäftsmodelltypen auf Basis von Komplexität und Umgebungsdynamik

Abbildung 1: Geschäftsmodelltypen auf-Basis von Komplexität und Umgebungsdynamik

  • Bekannt bewährtes Geschäftsmodell: Ein Business Model, welches Sie mit Ihrem Unternehmen seit vielen Jahren umsetzen. Hauptaugenmerk liegt auf Weiterentwicklung und stetiger Verbesserung. Typische Beispiele aus dem B2C Bereich sind Friseure, Tankstellen oder die Bestattungsbranche.
  • Komplex dynamisches Geschäftsmodell: Aufgrund der Volatilität des Umfeldes sowie der hohen Vielschichtigkeit sprechen Sie im zweiten Fall von komplex dynamischen Business Modellen. Gerade Unternehmen im schnelllebigen Technologiesektor wie beispielsweise Sony, Nintendo oder Samsung sind in diesem Feld angesiedelt.
  • Innovativ fremdes Geschäftsmodell: Unter die dritte und letzte Kategorie fallen alle Geschäftsmodelle, die es bisher in dieser Form noch nicht gab. Größe und Resonanz des Marktes sind unbekannt, das Modell und seine Umgebung hoch dynamisch. Modelle aus diesem Feld besitzen ein hohes Disruptionspotential.

Soweit, so gut. Doch wie entwickeln Sie Ihr Geschäftsmodell nun gezielt weiter?

Jeder Geschäftsmodelltyp besitzt eine individuelle Weiterentwicklungsstrategie

Die Systemtheorie gibt Ihnen drei Ansätze an die Hand, Ihr aktuelles Business Model systematisch weiterzuentwickeln. Je nach Geschäftsmodelltyp wählen Sie einen der drei folgenden Ansätze (siehe Abbildung 2):

Gezielte (Weiter-) Entwicklung des Geschäftsmodells je Typ

Abbildung 2: Gezielte (Weiter-) Entwicklung des Geschäftsmodells je Typ

  • Spezialisieren & automatisieren: Verfeinern und automatisieren Sie Ihre traditionellen Modelle. Nützlich sind hier Methoden wie der Kontiniuerliche Verbesserungsprozess, Lean Management oder der Taylorismus.
  • Agiler & kollaborativer Ausbau: Erweitern Sie Ihre dynamisch komplexe Modelle auf Basis agiler Praktiken wie Scrum, Kanban oder Extreme Programming. Inkrementelles und iteratives Vorgehen in kleinen Teams mit maximaler Transparenz lautet das Motto.
  • Experimentieren & lernen: Schließlich nähern Sie sich innovativ fremden Geschäftsmodellen mit einer hohen Komplexität und Umfelddynamik mit Lean Innovationsmethoden. Hilfreich sind hierfür Praktiken wie Minimum Viable Product, Design Thinking oder der Business Model Canvas. Im Zentrum stehen hier Innovationsprojekte an dessen Ende die Erkenntnis steht.

Unternehmen sind in der Regel bestrebt, Komplexität und Dynamik ihrer Geschäftsmodelle zu senken. Ist ein Business in seiner Vielschichtigkeit verstanden und kann gegen Umgebungsschwankungen protegiert werden, ändert sich auch sein Geschäftsmodelltyp. Aus innovativ & fremd wird komplex & dynamisch und letztlich bekannt & bewährt. Die Gegenrichtung ist natürlich ebenfalls möglich. Neuer Wettbewerb, geänderte Kundenanforderungen oder eine Geschäftserweiterung zwecks Differenzierung lassen das Modell in Komplexität und Dynamik wachsen.

Fazit

Eine Fülle von Methoden erlaubt es Ihnen, Ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Bevor Sie zu einer X-beliebigen Technik greifen, empfehlen wir einen Schritt zurückzutreten. Überprüfen Sie zuerst anhand von Komplexität und Dynamik, zu welchem Geschäftsmodelltypen ihr aktuelles Business Model gehört und wählen Sie anschließend die optimal passende Methode aus.

 

Geschäftsmodelltypen zum Download

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