Glasklar definiert - das Minimum Viable Product

Es ist Ihr erster Schritt zum vollwertigen Kundenangebot – das Minimum Viable Product. Viele Mythen und Spekulationen ranken sich um diesen Startup-Ansatz. Im mosaiic Impuls klären wir Sie über das sogenannte MVP auf und zeigen, wie Sie vom Konzept bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen profitieren können.

Was ist ein Minimum Viable Product ist

In der Startup-Szene gehört das Konzept seit Jahren zum festen Bestandteil der Angebotsentwicklung: das Minimum Viable Product, kurz MVP. 2001 prägte Frank Robinon den Begriff. Richtig populär gemacht wurde der Ansatz dann durch Steve Blank und Eric Ries in ihren Büchern.

„Maximize the learning per Dollar spent“
– Eric Ries, Unternehmer und Autor

Ein MVP ist ein Basisprodukt bzw. -service mit den nötigsten Funktionen und Eigenschaften. Ziel ist es, sehr rasch von frühen Anwendern – den sogenannten Early Adoptern – zu lernen und damit zu testen, ob das Wertangebot beim Kunden tatsächlich eine Chance hat. Schwerpunkt ist die Passung zwischen Nutzenversprechen und Zielgruppe. Daher: Ist mein Angebot für die Kundschaft interessant?

Welche Eigenschaften ein gutes MVP auszeichnen

Ein gutes MVP erfüllt gleichzeitig sechs Kriterien:

  1. Minimal – Ein MVP reduziert sich auf die wesentlichsten nutzbringenden Funktionen und Eigenschaften Ihres Angebotes.
  2. Überlegen – Gegenüber dem Wettbewerb sollte Ihr MVP mindestens einen entscheidenden Vorteil bieten.
  3. Fokussiert – Es richtet sich an eine von Ihnen ausgewählte Zielgruppe die offen für das neue Angebot ist. Häufig befindet sich die Gruppe in einer Marktnische.
  4. Überlebensfähig – Es stiftet genügend Mehrwert, dass Ihre Kunden bereit sind es zu nutzen oder gar dafür zu bezahlen.
  5. Vielversprechend – Das MVP legt ein so hohes Potential an den Tag, dass die frühen Kunden es auch zukünftig weiter in Anspruch nehmen wollen.
  6. Erweiterbar – Ihr minimales Wertangebot lässt sich in Entwicklungsschleifen Schritt für Schritt weiterentwickeln.

Worin die Vor- und Nachteile eines MVP liegen

Ein MVP hilft Ihnen, das bestehende Unwissen über die Marktakzeptanz Ihres Angebotes durch konkrete Zahlen und echte Kundenmeinungen zu ersetzen. Damit…

  • beschleunigt ein MVP Ihren Lernprozess bei überschaubaren Investitionen,
  • minimiert es Ihre Risiken am Kunden vorbei zu entwickeln und zu spät am Markt herauszukommen,
  • erlaubt es Ihnen frühstmöglich ein Angebot zu platzieren,
  • weisst es Ihre Herstellungs- und Erbringungskompetenzen nach und
  • signalisiert es Ihre offene und konstruktive Herangehensweise an Kunden und Partner.

Nicht immer eignet sich ein Minimum Viable Product. Speziell in Situationen in Ihre Kunden auf fertige Angebote angewiesen sind, weil diese beispielsweise eine tiefere Integration in das Unternehmensumfeld erfordern, ist ein MVP ungeeignet. Zudem…

  • gestaltet sich die Umsetzung als anstrengend, da Kunden an Ihr unfertiges Produkt bzw. Service herangeführt werden müssen und dieses auch kritisieren,
  • verursacht die Konzeption und der Test eines MVPs Aufwand der Sie ggf. von der Entwicklung des Gesamtangebots ablenkt und
  • kann das Konzept auch in die falsche Entwicklungsrichtung deuten, genau dann, wenn das es durch die Kunden abgelehnt wird (False Negative).

Wie sich ein MVP in ein Geschäftsmodell einbettet

Bei einem Minimum Viable Product konzentrieren Sie sich auf das Wertangebot (die Value Proposition) sowie die Kundenzielgruppe (das Customer Segment) eines Geschäftsmodells. Mit minimalen Zeitaufwand und Kosten wollen Sie validieren, was Nutzer von Ihrem Produkt bzw. Ihrer Dienstleistung halten. Das Erlösmodell – daher der Preis für den Kunden – können, müssen Sie aber nicht in Ihr MVP einbeziehen.

„If you are not embarrassed by the first version of your product, you’ve launched too late.“
– Reid Hoffman, Gründer von LinkedIn

Kein Augenmerk hingegen liegt auf der erforderlich Kernprozessen & -ressourcen, dem Partnernetzwerk sowie den Kosten Ihres Business Models. Diese testen Sie im Rahmen anderer Versuche. Damit können Sie viele Vorgänge, die später vollautomatisch ablaufen, zunächst manuell erledigen. Auch die für das MVP notwendigen Mittel sollten Sie zunächst anmieten bei Erfolg die Investitionen vergrößern.

Nach welchem Vorgehen ein MVP erstellt wird

Ein MVP entwickeln Sie zyklisch entlang der nachfolgenden drei Phasen: Build-Measure-Learn. Im einzelnen…

  1. Bauen (engl. Build) – Identifizieren, entwickeln und veröffentlichen Sie die kleinste Form eines Angebots, dass Ihren Zielkunden einen Mehrwert bietet.
  2. Messen (engl. Measure) – Finden Sie mittels qualitativen und quantitativen Messungen, Interviews und Beobachtungen heraus, ob Ihr MVP die Zielkunden zufriedenstellt bzw. sogar begeistert.
  3. Lernen (engl. Learn) – Nutzen Sie das strukturiert erfasste Feedback, um Ihr MVP iterativ weiterzuentwickeln. Dazu können Sie seine Funktionalität erweitern, die Zielgruppe vergrößern oder Güteeigenschaften optimieren.

Kommunizieren Sie das MVP offen an Ihre Kunden und Managen Sie damit die Erwartungen. Veröffentlichen Sie das Testangebot unter einem anderen Firmen- oder Markennamen, falls Sie befürchten das unreife Produkt wirkt sich negativ auf Ihre Marke oder Unternehmensreputation aus.

Welcher Unterschied zu Mininimum Marketable Product besteht

Mit einem Minimum Viable Product möchten Sie lernen: über Ihr Wertangebot, ihre Zielgruppe sowie dem Nutzungsverhalten. Kommerzielle Interessen sind nachgelagert.

Ein Minimum Marketable Product (MMP) wollen Sie verkaufen. An eine kleine aber feine Zielgruppe mit einem ganz bestimmten Bedarf bzw. Problem. Im Gegensatz zum MVP haben Sie hier bereits ein Geschäftsmodell auf der Sie Ihr Wertangebot weiterentwickeln, herstellen und vertreiben.

Fazit

Im Duden steht der Begriff Minum Viable Product Stand 2017 noch nicht. Doch nachdem es ‚Selfie‘ und ‚Fake News‘ geschafft haben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch das MVP Eingang in das Wörterbuch der deutschen Sprache findet. Immer häufiger adaptieren auch traditionelle Unternehmen das Konzept für die Entwicklung neuer Angebote.

Das MVP fungiert Ihnen dabei als Prozess. Ein Vorgang, die Marktfähigkeit von Ideen zu testen mit dem festen Wissen, dass nur der Kunde über Erfolg und Misserfolg eines Angebots entscheidet.

Sie möchten den Minimum Viable Product Ansatz bei Ihnen im Unternehmen anwenden? Gerne vertiefen wir das Thema mit Ihnen in einem gemeinsamen Telefonat und/oder Gespräch. Kontaktieren Sie uns dazu einfach.