Innovationen wie Chatbots und Alexa erfordern ein Wandel in der Unternehmenskultur – Niklas Volland und Christian Schieber im Interview

Bestimmte strahlte sie Ihnen Anfang 2018 auch von Litfaßsäulen, Haltestellenplakaten und Werbeanzeigen entgegen: Amazons Smart Speaker Alexa. Der intelligente Lautsprecher beantwortet Fragen, spielt Musik und steht für Alltagsfragen mit Rat und Tat zur Seite. Mit Kampfpreisen drückt der Tech-Riese aus Seattle aktuell sein Gerät in die deutschen Haushalte. Es ist daher nur noch eine Frage der Zeit, bevor Sprachassistenten auch ihren Weg in die Wertschöpfungsketten der Unternehmen finden.

Doch bis es soweit ist, greifen zunächst erst einmal kleine Innovationsschmieden diese Technologie auf. mosaiic hatte Gelegenheit mit Niklas Volland und Christian Schieber von der Digitalisierungsagentur bytabo® zu Alexa, Chatbots und der Startup-Kultur in Deutschland zu sprechen.

Herr Volland: Ein etabliertes Unternehmen hat ein funktionierendes Geschäftsmodell, ein Startup muss dieses noch finden. Ist dieser Umstand aus Ihrer Sicht der größte Unterschied?

Volland: Ich denke dieser Vergleich ist etwas zu pauschal gewählt. Natürlich kann auch ein Startup recht schnell ein funktionierendes Geschäftsmodell aufbauen. Der Begriff “Startup” impliziert für mich somit weniger den Zustand eines jungen Unternehmens, das die grundlegende Geschäftsgrundlage noch finden muss, als vielmehr einen Zusammenschluss von jungen, motivierten Menschen, die durch Kreativität und Flexibilität an der Geschäftswelt partizipieren wollen.

Und dabei ist es für etablierte Unternehmen heutzutage von besonderer Bedeutung Startups ernst zu nehmen. Denn durch ihre flexiblen und schnellen Strukturen – die für mich der ausschlaggebendste Unterschied zu großen Unternehmen sind – können die kleinen, agilen Unternehmen in der modernen digitalen Welt auch schnell einem traditionellen Konzern gefährlich werden. Dazu brauch es heutzutage keine tausenden von Mitarbeitern mehr. 

In drei Worten: wie würden Sie die Startup Landschaft in Deutschland beschreiben?

Schieber: Wenn man darunter die Startups in Deutschland versteht: Motiviert – Unterschätzt – Schwierig zu gründen.

In Workshops bringen Sie Unternehmen eine Startup-Kultur näher. Was springt Ihnen bei traditionellen Firmenkunden regelmäßig ins Auge?

Volland: Was immer wieder hervorsticht und worüber wir uns jedes Mal aufs Neue sehr freuen, ist das große Interesse an der Startup-Kultur. Große Firmen sind sehr neugierig auf die Art und Weise, wie wir arbeiten, welche Wertewelt wir haben und wie wir mit Herausforderungen und Rückschlägen umgehen. Ich glaube, dass diese Offenheit und die Bereitschaft zur Synergie zwischen großen, etablierten und kleinen, frischen Unternehmen für die digitale Zukunft in Deutschland unglaublich wichtig sind. Klar, der Datenschutz ist dabei auch wichtig. Aber wenn Datenschutz dauerhaft wichtiger ist als Innovation, kann es schnell gefährlich werden.

Häufig tritt auch die Frage auf, ob es denn wirklich möglich sei, innovative Methoden aus der Startup-Welt im Sinne einer Kreativitäts- und Flexibilitäts-Steigerung in einem großen Unternehmen zu integrieren. Doch in der Regel ist dabei nicht die Frage, ob dies möglich ist, sondern ob die jeweiligen Mitarbeiter es wirklich wollen. Denn – und das ist die Erfahrung – wenn man für ein bestimmtes Konzept brennt und fest von den Vorteilen überzeugt ist, dann findet sich immer ein Weg. 

Sie nennen Ihre Mitarbeiter ‚Digital Crew‘. Was macht eine digitale Belegschaft 2018 aus?

Volland: Der Mut, in neue Innovationsfelder hineinzugehen, menschlicher Zusammenhalt und die Bereitschaft, jeden Tag dazu zu lernen.

Eine Leistung Ihres Unternehmens bytabo ist die Programmierung der Sprachassistentin Alexa von Amazon. Welche Unternehmen fragen dieses Angebot nach und warum?

Schieber: Aktuell in erster Linie Unternehmen, die Ihren Kunden einen interaktiven, innovativen und einfachen Weg zur Verfügung stellen wollen, um Informationen zu beziehen oder bestimmte Aktionen – wie zum Beispiel Käufe – durchzuführen. Wir bemerken aber auch den Trend, dass vermehrt im Zusammenhang mit internen Prozessoptimierungen über automatisierte Systeme wie Chatbots und Sprachassistenten nachgedacht wird.

Hole ich mir mit Alexa nicht eine Wanze ins Unternehmen? Immerhin gehen die Daten auch an Amazon?

Schieber: Unternehmen können einen Teil des Prozesses zur Auswertung der Daten – der passiert, bevor das System dem User eine Antwort zurückgibt – auf einen eigenen Server verlagern. Die Auswertung durch die Künstliche Intelligenz (KI) passiert jedoch immer bei Amazon. Auch wenn Amazon deutsche Server einsetzt, wird dieser Umstand von deutschen Firmen mit großem Misstrauen beäugt.

Wir sind jedoch der Meinung, dass es der falsche Weg ist, derartige Innovationsprozesse auf Grund des Misstrauens nicht umzusetzen. Wir empfehlen Kunden in einer solchen Situation, sich persönlich mit Amazon in Verbindung zu setzen, über alle Bedenken und Rahmenbedingungen des Datenschutzes zu sprechen und auf diesem Wege eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Aus technischer Sicht ist es zudem wichtig zu verstehen, dass es keine wirkliche Wanze ist, da Alexa erst nach dem Aktivierungswort Daten an Amazon sendet. Außerdem benutzen wir ja auch ohne nachzudenken Siri und Google Now auf unseren Firmenhandys. Diese Geräte könnten in Bezug auf die Übertragung von Daten theoretisch gesehen genau das Gleiche wie Alexa.

Intelligente Chatbots ist ein weiterer Schwerpunkt Ihrer Company. Wen sehen Sie hier zukünftig als Hauptnutzer?

Volland:  Wir sehen Chatbots aktuell in erster Linie im Servicebereich, wo dem Endkunden geholfen wird. Wir rechnen damit, dass Chatbots in Kürze auch vermehrt im Sinne interner Prozessoptimierungen eingesetzt werden. Ein solches System macht überall da Sinn, wo die schnelle und automatisierte Bereitstellung von Informationen einen erheblichen Mehrwert bringt.

Im Unternehmen selbst sollten wir allerdings ein bisschen weg vom Chatbot denken, mehr hin zum persönlichen Assistenten eines jeden Mitarbeiters, der für einen im Hintergrund Aufgaben erledigt und ihm in möglichst persönlicher Art und Weise Informationen zur Verfügung stellt, beispielsweise “Assistent, ich brauche einen neuen Bürostuhl”.

Eine bekannte Bausparkasse hatte mal einen Fuchs, ein großer Möbelhersteller eine Frau mit Sommersprossen als chattenden Avatar auf der Unternehmenswebseite. Warum haben diese Ansätze damals nicht gezündet?

Schieber: Die Bots – bzw. die KI dahinter – war(en) einfach noch – direkt gesprochen – zu dumm. Der Mensch ist in der persönlichen Kommunikation eine sehr hohe Qualität gewohnt, weshalb er bei schlechten Antworten sehr schnell unzufrieden ist. Durch Cloud Computing und die steigende mobile Rechenpower sowie bessere Algorithmen werden digitale Avatare aber in Zukunft immer schwerer von menschlichen Antworten zu unterscheiden sein.

Angenommen ich bin Unternehmer und habe für 2018 ein Budget für eine aus drei Digitalisierungsmaßnahmen: 1. Alexa Skills 2. Chatbots 3. Startup Belegschaft. Für was sollte ich mich entscheiden? 

Volland: Gute Frage, dass kommt natürlich auf das Unternehmen und deren Bedürfnisse und Probleme an. Um dennoch eine Antwort zu geben, würde ich die Startup Belegschaft bzw. das Startup Mindset wählen. Das Mindset ist die Grundlage für eine Veränderung der Kultur hin zu Kreativität, Flexibilität und Offenheit für Neues. Denn nur eine dahingehend veränderte Kultur lässt es zu, dass wir innovative Ideen wie Bots und Alexa umsetzen können. 

Letzte Frage: wenn ein Nutzer Ihre Webseite www.bytabo.de ansurft sieht er im Dezember 2017 das Bild einer Galaxie sowie den Button ‚Reise starten‘. Wohin führt uns die Reise der Digitalen Transformation?

Schieber:  Das ist eine interessante und häufig diskutierte Frage. Wir sind uns sicher, dass die Reise spannend und sehr lange wird. Technologien wie Künstliche Intelligenz und auch die Blockchain werden mit zunehmender Intensität unser Leben beeinflussen. Wir werden viel mehr virtuelle Räume haben und es werden unsere Bedürfnisse noch viel schneller befriedigt, als wir uns das in aktuellen Zeiten von Apps und Smartphones vorstellen können. Für deutsche Firmen wird es immer wichtiger umzudenken. Nur so können wir mit Unternehmen aus dem Ausland mithalten.

Weiterführende Informationen zu den Interviewpartnern

Niklas Volland - Profilbild

Zur Person Niklas Volland
Als Mitgründer und CEO der Digitalagentur von bytabo® kümmert sich Niklas Volland um die strategische Integration technologischer Innovation in das laufende Geschäft. Weiterhin gehören die Bereiche Sales und die Koordination des anwachsenden Geschäftsbereichs „Startup as Service“ zu Herr Volland Aufgaben. Darüber hinaus tritt er zusammen mit Mitgründer und CTO Christian Schieber als Vortragsredner zu verschiedenen Themen rund um die Startup-Welt, digitale Innovation und Digitalisierung auf. An der Digitalisierung faszinieren Herrn Volland vor allem die zunehmenden Möglichkeiten, Prozesse zu verschlanken und zu automatisieren.

Christian Schieber - Profilbild

Zur Person Christian Schieber
Christian Schieber ist Mitgründer und CTO der Digitalagentur bytabo®. Zu seinen Aufgaben zählen die Koordination der Innovationsabteilung in Form strategischer und technologischer Impulse sowie der Bereich Sales. Er tritt als Vortragsredner in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Startup-Welt auf und hat sich zuletzt vor allem dem Bereich „Digital Mindset“ und der Frage „Warum Digitalisierung nicht in der IT-Abteilung passiert“ gewidmet. Die Digitalisierung begeistert Herrn Schieber vor allem dahingehend, dass im Laufe der Zeit jede Branche zur Software-Branche geworden ist und sich diese Entwicklung zukünftig weiter durchsetzt.