Beitragsbild Ambidextrous

Ambidextrous? Noch ein neuer Begriff? Nach Green-IT und Cloud Computing ein weiter Technik-Term? Wir können Sie beruhigen. In Deutsche übersetzt bedeutet das englische Adjektiv ‚ambidextrous‘ soviel wie ‚beidhändig‘, daher mit beiden Händen gleichermaßen fähig. Auch Objekte können ambidexter, also mit linker und rechter Hand gleichgut benutzbar sein. Schön und gut, doch was hat Ambidexterity mit Ihrem Unternehmen zu tun? Im mosaiic Impuls gehen wir der Sache auf den Grund.

Performance + Innovation – die zwei Maschinen eines ambidextrous Unternehmen

In digitalen Zeiten müssen Unternehmen ambidextrous agieren. Was heißt das? In unseren Projekten mit den Kunden nutzen wir an dieser Stelle gerne die Metapher von zwei parallel arbeitenden Maschinen.

Maschine 1: die Performance Engine

Maschine 1 ist das klassische Stammgeschäft. Kundensegmente und Wertangebote, Kanäle und Beziehungen sind erprobt, Wertschöpfung, Erlösströme und Kostenstrukturen seit Jahren Gegenstand der Optimierung. Das Geschäftsmodell trägt, wird schrittweise verbessert. Die Performance Engine zeichnet aus durch…

  • verwerten bestehender Erlösströme,
  • Standardisiertes Vorgehen,
  • Effiziente Wertschöpfung,
  • klare Top-down Organisationshierarchie,
  • Kontrollierte Abläufe sowie
  • Lean, Kontinuierliche Verbesserung und Gewissheit.

Kurzum: es geht um Exploitation. Unternehmen optimieren, sind ständig auf der Suche nach Verbesserungen für Ihre bewährten Angebote, Kundenauftritte und Wertenetzwerke.

Performance ist gut. Doch reicht das in ungewissen und unsicheren Zeiten?

Maschine 2: die Innovation Engine

Unternehmen benötigen eine weitere Maschine. Eine, welche die Angebots- und Prozessinnovation und vor allem die Geschäftsmodellinnovation antreibt. Nicht Perfektion, der letzte Schliff, das letzte Quäntchen Verbesserung zählt, sondern das Neue, das Experiment, die Veränderung. Die Merkmale einer Innovation Engine sind…

  • entdecken neuer Erlösströme
  • agiles Vorgehen,
  • innovative Lösungsansätze,
  • cross-funktionale kooperative Teams,
  • verschiedenartige Abläufe sowie
  • Risikofreude, Diversität und Ausprobieren.

Hauptaugenmerk gilt der Exploration – dem Auskundschaften neuer Verfahren, Angebote und Kundengruppen. Bewusst wird ein kontrolliertes Risiko eingegangen, kreative Versuche gestartet und wertvolle Erkenntnisse gesammelt.

Ein ambidextrous Unternehmen agiert beidhändig. Als duale Organisation versteht es, sowohl die etablierte Performance Engine als auch die zukunftsgerichtete Innovation Engine am Laufen zu halten. Wichtig ist die Balance, das schnelle und bewusste Umschalten zwischen bewährt & absehbar vs. aufregend & experimentierfreudig. Fehlt nur noch der Treibstoff des 21. Jahrhunderts – und ab jetzt wird es elektrisch.

Digitalisierung: der Treibstoff

Die Digitalisierung wirkt auf beide Maschinen (siehe Abbildung 1). Die Performance Engine erhält die Möglichkeit der weiteren Optimierung. Daher: bestehende Geschäftsmodelle werden digital angereichert.

  • Prozesse werden beschleunigt und die Fehlerrate reduziert
  • Produkte und Dienste werden durch digitale Komponenten aufgewertet
  • Beziehungen zum Kunden werden auf Basis Nutzungsdaten verfeinert

Auf der anderen Seite fungiert die Digitalisierung als Treibstoff für die Innovation Engine. Neue Digitale Geschäftsmodelle können entstehen.

  • Prozesse laufen vollständig automatisiert
  • Virtuelle Wertangebote sind weltweit verfügbar
  • Beziehungen zum Kunden sind vollständig automatisiert

Digitalisierung befeuert beides – angestammte Geschäftsmodelle laufen zur Hochleistung an, neue Geschäftsmodelle werden ermöglicht.

Abbildung 1: Balance zwischen Performance & Innovation

Fazit

Ambidextrous, bi-modal, two-speed, dual… Die Fachbegriffe für eine Ressourcen-bedachte und gleichzeitig neugierige Organisation sind vielfältig. Unerheblich welches Schlagwort sich bei Ihnen durchsetzt: wichtig ist, dass Ihr Unternehmen von zwei stetig rotierenden Maschinen angetrieben wird – der Performance und der Innovation Engine. Als Treibstoff empfehlen wir den Blick auf die Digitalisierung. Aktuell ist diese in vielen Ausprägungen verfügbar. High Speed ist vorprogrammiert. Garantiert.

Den Begriff ‚ambidextrous‘ für Organisationen zu verwenden ist übrigens gar nicht so neu. Bereits 2004 beschrieben die beiden US-Forscher Charles A. O’Reilly III Forscher und Michael L. Tushman die Fähigkeit moderner Unternehmen im Harvard Business Review.